Projekttag: „Leben heißt Abschied nehmen“

Am 18.03.2016 fand an der Merian-Schule in Freiburg zum zweiten Mal ein Projekttag zum Thema „Leben heißt Abschied nehmen“ statt.
von Anna-Lena Baum und Fiona D’Urso, Klasse PIA1 (Praxisorientierte Ausbildung von Erzieher/-innen)


Die Einführung in dieses durchaus schwierige Thema übernahm mit einem Impulsreferat Frau Dipl. theol. Heike Helmchen-Menke vom Institut für Religionspädagogik in Freiburg. Zunächst einmal stellte sich die Frage „ist das Thema Tod überhaupt etwas für Kinder?“, da diese Thematik in unserer Gesellschaft zum Großteil immer noch ein Tabuthema darstellt. Diese Frage klärte sich kurz darauf, als eine Filmsequenz gezeigt wurde, in der die Kinder Fragen zum Thema Tod gestellt bekamen. Anders als viele Erwachsene begegneten die Kinder den Fragen mit einer großen Offenheit, Leichtigkeit und einer kindlichen Naivität, die die Thematik in einem anderen, schöneren Licht erscheinen ließ.


Hauptreferentin Heike Helmchen-Menke (rechts im Bild)
im Gespräch mit Religionslehrerin Karin Klink und Schulleiter Markus Henkes


Nach verschiedenen Exkursionen und Vorträgen am Vormittag fanden wir uns im Klassenverband zusammen, um unsere Eindrücke auszutauschen.

Eine Gruppe besuchte den Hauptfriedhof in Freiburg. Dort bekamen sie verschiedene Einblicke zu den Themen Trauerfeier, Begräbnis und Geschichte des Friedhofs. In der anschließenden Gesprächsrunde fiel der Satz: „das war echt nicht ganz ohne“, in Bezug auf das Krematorium, in dem sehr sachlich über den Vorgang der Einäscherung und die anschließende Trennung und Zerkleinerung der Knochen gesprochen wurde. In Erinnerung ist auch der Anblick von drei Verstorbenen geblieben, da es bei vielen das erste Mal war, dass sie einen Toten gesehen haben.

Eine andere Exkursion führte zur christlichen Seelsorge. Dort wurde ein Vortrag über den Ablauf einer christlichen Beerdigung gehalten. Vielen war dieser Ablauf zwar schon bekannt, dennoch gab es aber interessante und neue Vorgehensweisen bei Trauergesprächen, z.B. dass es in der Begleitung „Ohren, die Zugang zum Herzen haben“ braucht.

Eine weitere Gruppe ging zum Bestattungsunternehmen Horizonte. Dort bekamen die Schüler/innen „Einblicke, die man so nicht hat“. So z.B. kann der Sarg oder die Urne mitgestaltet werden. Bewegend war außerdem, dass Kindersärge in einem separaten Raum aufbewahrt werden, damit die sowieso schon trauernden Menschen diese nicht noch zusätzlich sehen müssen.

Aber nicht nur die christliche Bestattung, auch die islamische Bestattung wurde vorgestellt. „Das Leben ist ein Zuarbeiten auf das Paradies. Der Tod ist eine schwierige Prüfung.“ Für viele Teilnehmer waren einzelne Aspekte schockierend; beispielsweise dürfen Frauen erst am dritten Tag das Grab besuchen oder der Verstorbene darf nicht verbrannt werden, da das als Schändung des Toten gelten würde.

Teilnehmer/-innen von zwei weiteren Gruppen sprachen jeweils mit Mitarbeitern eines Hospizes. Eine Gruppe besuchte ein Hospiz in Freiburg, die andere Gruppe erhielt einen Vortrag von Mitarbeitern des ambulanten Hospizdienstes für Kinder und Jugendliche. Vor allem diese beiden Gruppen berichteten anschließend von einer bedrückenden Stimmung. Jeder einzelne war mit voller Aufmerksamkeit bei dem Thema dabei. Es fielen Schlagwörter wie Gänsehaut, komisch, traurig, beschäftigend und kein leichtes Thema. Eine Schülerin sagte: „Ich könnte das nicht, Respekt an die Frau“. Es geht eben nicht nur um die Sterbebegleitung, sondern weit darüber hinaus. Ein Ziel ist es u.a., die Lebensqualität der Familie zur verbessern und sie auch über den Tod hinaus zu begleiten.


Die Referentinnen und Lehrer/-innen im Gespräch


Zuletzt fand ein Vortrag von Frau Helmchen-Menke mit einer weiteren Filmsequenz statt. Hierbei ging es speziell um den Umgang mit Trauer und Tod bei Kindern. Es wurde u.a. gesagt, wie wichtig es ist, über das Thema sprechen zu können und selbst zu lernen, ein kompetenter Ansprechpartner zu sein. Man sollte die Dinge den Kindern gegenüber klar und sachlich benennen, um Missverständnisse, unbegründete Ängste und „falsche“ Hoffnungen zu vermeiden. Kinder haben eine große Fantasie. Sagt man ihnen beispielsweise: der Opa ist gestorben weil er krank war, kann bei den Kindern die Angst entstehen, dass bei jeder Krankheit der Tod die Folge sein könnte. Auch wurden hilfreiche Beispiele zur Trauerverarbeitung genannt, wie das Gestalten von Grabbeigaben, Bildern oder einer Trauerkerze.

Durch diesen Tag haben wir gelernt, dass Tod und Trauer in unserer Gesellschaft kein Tabuthema mehr sein sollte. Denn gerade für Kinder ist es sehr wichtig, darüber zu sprechen und Antworten zu bekommen.